Der Europäische Referenzrahmen für Sprachen, das Europäische Sprachenportfolio sowie deren Kann-beschreibungen als Grundlage unterrichtlicher Planung

Der Europäische Referenzrahmen für Sprachen, das Europäische Sprachenportfolio sowie deren Kann-beschreibungen als Grundlage unterrichtlicher Planung

von Martin Cichon – Schulleiter und langjähriger Ausbilder polnischer Deutschlehrer

Eine Bestandsaufnahme

In den vergangenen Jahren ist die Ausbildung von Fremdsprachenlehrern in Polen kontinuierlich zurückgefahren worden. Während in Fremdsprachenlehrerkollegs die Studierenden zumindest Grundlagen der Methodik-Didaktik des DaF-Unterrichts kennengelernt hatten, leisten die meisten universitären Studiengänge diese Aufgabe nicht. Germanisten, die sich nach ihrem Abschluss zumeist in einer Schule wiederfinden, haben literaturwissenschaftliche und sprachwissenschaftliche Grundlagen erworben, die ihnen in der Schulpraxis nicht weiterhelfen. Auch die angebotenen pädagogischen Qualifikationskurse in den Methodischen Zentren der Wojewodschaften beinhalten viel zu viel theoretisches Wissen statt praktischer Hilfestellung. Ergebnis einer solchen Bildungspolitik muss eine schlechte Vorbereitung auf den Lehrerberuf zur Folge haben. Wenig qualifizierte Lehrer versuchen Kindern und Jugendlichen mit ungeeigneten Mitteln eine Sprache beizubringen und stehen unter permanentem Druck, wenn es um die Ergebnisse der Leistungserhebungen am Ende der Bildungsetappen geht. Sind die Ergebnisse nicht zufriedenstellend, wird der schwarze Peter hin- und hergeschoben. Für die Lehrer haben die Schüler nicht richtig gelernt, Schüler und Eltern beklagen, dass Lehrer sie nicht gut vorbereitet haben. Tatsache ist, dass ein Großteil der Lehrer an den einschlägigen Lehrwerken hängt und diese als Rechtfertigung für die Inhalte ihres Unterrichts sieht. Frei nach dem Motto: Wenn ich das Lehrbuch durchackere, kann ich zumindest behaupten den gültigen Lehrplan abgehakt zu haben. Eine weitere Ursache liegt in den Lehrplänen selbst zugrunde. Ab der zweiten Bildungsetappe nehmen die Inhalte im Sprachunterricht kontinuierlich zu. Dabei geht es nicht um die thematische Vielfalt, einen tiefgründigen Wortschatz sondern um grammatikalische Themen, die ein polnischer Schüler beherrschen soll. Hier übertreiben die Autoren von Lehrwerken, Lehrplänen und staatlichen Curricula maßlos und stellen anscheinend eine persönliche Geltungssucht in den Vordergrund. So kann es nicht das Ziel des Deutschunterrichts sein, dass polnische Schüler grammatische Strukturen (auswendig) lernen müssen, die ein Muttersprachler im gleichen Alter nicht zu seinen aktiven Fertigkeiten zählt. Es verwundert also nicht, dass in den letzten Jahren immer mehr Schüler in Polen Deutsch zu Gunsten von Englisch und anderen Sprachen abwählen. Letztlich leiden auch die Deutschlehrer unter dieser Entwicklung, da immer weniger Unterrichtsstunden zu verteilen sind.

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